Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

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Power-FM
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Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Power-FM » Di 4. Feb 2020, 20:27

Mir kam mal die Idee, einen "normalen" Mittelwellen-Superhet zu bauen, der nur mit Bauteilen auskommt, die man bei Reichelt bekommt.
Mit "normal" meine ich, dass sich das grundlegende Prinzip an das von einfachen Koffer- / Taschenradios der 60er anlehnt (die ja zumindest in der einfachsten Form immer mehr oder weniger gleich aufgebaut sind).
Die "schwierigen" Bauteile sind dabei immer der Ferritstab, der Doppel-Drehko sowie die ZF-Übertrager bzw. Spulen Rot, Gelb, Weiß Schwarz, ihr wisst schon was ich meine). Das bekommt man zwar alles noch über diverse Quellen, aber die "Challenge" war ja, darauf zu verzichten.
Nun hatte ich zunächst versucht, die ZF-Übertrager (oder von mir aus auch "Bandfilter") mit Festinduktivitäten, die sich gegenseitig "sehen" können nachzunilden.
Ich will nicht sagen, dass das nicht sogar geklappt hätte, jedoch war das ganze Gebilde zu instabil und fing (trotz "Neutralisationsmaßnahmen") sehr leicht zu schwingen an (wohl auch wegen der fehlenden Abschirmbecher um die Bandfilter).
Hat also funtioniert, habe ich aber dann wieder verworfen.
Auch das Prinzip mit dem selbtschwingenden Mischer und ohne Vorstufe, wie es früher üblich war, hatte ich übernommen und grundsätzlich hat das auch funktioniert, aber auch das war mir alles etwas zu "wackelig", sprich es ist sehr schnell ins Schwingen geraten...

Also Konzeptänderung, sprich mit so wenig Spulen wie möglich auskommen.
Der ZF-Verstärker ist nun ein sogenannter Kaskoden-Verstärker (Edit: Stimmt nicht, siehe weiter unten), der komplett ohne Spulen auskommt und trotzdem locker geschätzte 50 dB oder so verstärkt.
Dieses hier ist die erste funktionierende Version:
alt.gif
alt.gif (2.9 MiB) 4603 mal betrachtet
Sie hat natürlich so bereits mehr Transistoren als alte Taschenradios, aber das liegt hauptsächlich am ZF-Verstärker.
Allerdings ist hier noch immer der Doppel-Drehko drin, aber Hey: Hiermit ist Empfang nur mit der Ferritantenne schon mal möglich. Und obwohl es nur einen ZF-Filter gibt ist die Trennschärfe ähnlich wie auf einem echten, aber einfachen Radio.
Komisch und Theoretisch unnötig ist hier der Kondensator von der Koppelspule am Mischer nach Masse. Dieser war aber nötig, da die Schaltung sonst über das mickrige Stück Draht vom der Spule zum Transistor bereits laut und deutlich Kurzwellensender (Radio Korea) empfängt..

Der Aufbau war allerdings alles andere als "unkritisch", beim ersten Versuch fing alles je nach Positionierung der (zugegebenermaßen wild verlegten und nicht sternförmigen) Spannungsversorgungsleitungen der Stufen manchmal wieder zu schwingen an, aber das ließ sich durch Optimierung der Bauteilanordnung in den Griff bekommen.
Ob das nachbausicher ist? Ich weiß es nicht. Aber auf Lochraster oder Steckbrett wird es wohl ziemlich sicher nicht funktionieren, auch wenn es nur max. 2 MHz ist....
Die AGC musste bei mir noch einen Verstärker-Transistor bekommen, weil der Regelbereich sonst nicht ganz gepasst hat (bei alten Radios wird oft direkt die Detektorspannung ohne weitere Verstärkung für die AGC genutzt).

Nun sollte aber der Doppel-Drehko auch noch rausoptimiert werden.
Das Egerbnis ist nun so:
neu.gif
neu.gif (3.52 MiB) 4603 mal betrachtet

Die Abstimmung kann so mit einem ganz normalen Poti erfolgen, die SR5010 Dioden arbeiten hier als Kapazitätsdiode (ob es da noch welche gibt mit denen das besser Funktioniert weiß ich nicht, von meinen vorhandenen Dioden ging die SR5010 jedenfalls am Besten).
Ob das so mit dem Gleichlauf wirklich perfekt klappt kann ich nicht wirklich sagen, aber es funktioniert jedenfalls. Die Spule muss auf dem Ferritstab natürlich verschiebbar angebracht sein, über die Position dieser Spule wird der "Gleichlauf" abgeglichen.
Einen Haken hat die Sache noch, der Abstimmbereich geht nur so von ca 800 kHz bis 1650 kHz, also geht nicht die komplette Mittelwelle. Aber damit kann ich erst mal leben, das geht vielleicht durch eine andere Diode noch etwas besser.
Vorstufe, Mischer und Oszillator musste ich hier trennen, weil das einfach zuverlässiger funktioniert bei meinem eher wilden Aufbau...
Die Transistortypen sind hier meist BF199, aber BC548 werden wohl auch funktionieren.

Ich bin mal gespannt, was Oszillatormann alles für Ungereimtheiten oder auch Fehler in der Schaltung entdeckt :D. Fakt ist aber, dass sie funktioniert, und das nicht mal schlecht.

Was immer noch nicht ganz super funktioniert ist die AGC in der letzten Version und halt der Abstimmbereich. Als einziges "seltenes" Bauteil kommt jedenfalls nur noch die Ferritantenne vor.

Die mit "!" in der letzten Version markierten Bauteile sind beim wilden Try & Error in die Schaltung geraten und haben die Funktion (tlw. erheblich!) verbessert.
"!" deshalb, weil ich sie mir selbst nicht so ganz erklären kann.
Da wäre der fehlende Blocker am ZF-Filter. Baue ich dort einen Abblock-C ein, wird der Empfang SCHLECHTER (eigentlich unlogisch).
der 470p nach Masse hinter dem ZF-Filter:
Schließt einen Teil der ZF kurz, VERBESSERT aber den Empfang. Wahrscheinlich, weil er Reste vom Oszillatorsignal, die nach dem Filter noch durchkommen, abschwächt / entfernt!?
Der 27p Kondensator vor der Demodulatordiode. Durch diesen wird der Empfang WESENTLICH lauter.
Der Demodulator arbeitet eigentlich breitbandig. Ich vermute, dass der Kondensator ebenfalls Reste vom Oszillator noch mal abschwächt!? Und an den Demodulatorkondensatoren nach Masse wundert mich, dass diese bei mir so groß sein müssen, um normalen "Mittelwellenklang" zu erreichen. Rein theoretisch wäre alles viel zu Dumpf mit diesen großen Werten, ist es aber nicht, sondern in etwa ganu so wie auf einem "echten" Radio.

Die Pläne sind nur das Gekritzel vom Aufbau, das müsste ich noch mal sauberer abzeichnen ;).
Die unterschiedlichen Werte für die Abblock-Kondensatoren liegen daran, dass ich nur Bauteile aus einer Wühlkiste verwendet habe (die schon für zig andere Versuchsaufbauten herhalten mussten :D) .

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Oszillatormann » Mi 5. Feb 2020, 21:59

AM-Superhet mit Standardteilen, eine eine schöne Herausforderung. Heutzutage ist Verstärkung billig, Transistoren kosten fast Nichts und abgleichbare Spulen gibts nicht bei Reichelt. Also gibts wenig Selektion, aber viel Verstärkung. :-) Was mir auffiel:
Ich habe bei den Elkos an der Ferritstabkoppelwicklung und am NF Ausgang überlegt, ob das nF oder µF sein sollen. Es gibt da einen undefinierbaren Buchstaben, der könnte ein µ sein, hat das lange Bein aber am rechten Ende...

Der 47nF Kerko am Eingang des NF Verstärkers soll bestimmt Oszillator- oder ZF-Reste kurzschließen. Er hat viel zu tun, weil er keinen Vorwiderstand Richtung Diode hat.

Dein vierstufiger ZF Verstärker hat DC-Reihenschaltung, aber für die ZF arbeiten alle Transistoren in Emitterschaltung. Das ist keine Kaskode.

Kleiner Exkurs:
Bei einer Kaskode füttert der untere Transistor in Emitterschaltung den oberen Transistor in Basisschaltung. Der Sinn ist, die Rückwirkung auf den Eingang zu reduzieren und das funktioniert, weil die Basisschaltung 1/Steilheit (also nicht viel) als Eingangswiderstand hat und deshalb die Emitterschaltung so brutal belastet nur -1 fach verstärkt. Die Kollektor-Basiskapazität des unteren Transistors kann also nicht viel Signal zum Eingang schicken.

Der Mischertransistor wird wohl schwingen, wenn die 470uH Kollektordrossel mit einem C nach + abgeblockt wird. Der BC548 hat zuviel Rückwirkung und wird durch das Oszillatorsignal anständig ausgesteuert, damit sind alle Vorraussetzungen für hohe Schwingneigung gegeben.

Der ZF Verstärker wird durch starke Oszillatorreste wahrscheinlich verstopft, dagegen ist der 470p am Eingang notwendig. Vielleicht schwingt auch der ZF Verstärker auf einigen MHz und braucht dagegen den 27 pF Kondensator am Ausgang.

Ansonsten: Schönes Bastelprojekt. Wir warten auf das Youtube-Video!

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Power-FM » Do 6. Feb 2020, 17:48

Ja, ich und mein µ-Zeichen - das habe ich schon vor 20 Jahren immer falsch gemacht und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern :D .

Und auch ja, das ist keine Kaskodenschaltung, jetzt wo du es sagst.
Denn eine echte Kaskodenschaltung habe ich ja auch schon mal verwendet, das war in einem einfachen (abgekupferten) UKW-Sender, den ich im alten Forum (es betseht wohl keine Chance mehr, da noch mal dran zu kommen) mal vorgestellt hatte. Und auch in meinem letzten LM7001-Sender hatte ich eine echte Kaskodenschaltung vim Oszillatorbereich benutzt. Die hatte eine extrem gute Entkopllung des Ausganges vom Oszillator.

Die Schaltung sieht nur halt auf den ersten Blick fast so aus wie eine Kaskodenschaltung. Sttimmt aber, das sind einfach nur Emitterschaltungen, die in Reihe an der Betriebsspannung hängen.
Aber wie auch immer, es funktioniert jedenfalls ganz gut, und der ZF-Verstärker ist vor allem ziemlich stabil und gerät nicht ins Schwingen. An anderen Stufen sieht bzw. sah das tlw. anders aus.

Youtube-Video ist schon in Arbeit :) .

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Oszillatormann » Do 6. Feb 2020, 21:30

Hier ist ein bischen Rest vom alten Forum:

http://senderbau.egyptportal.ch/forum_archiv2.htm

Den Link zum Video musst Du uns bitte hier posten!!!
Soll ich dafür meinen MW Sender auf 1440 kHz einschalten? Mit 100 mW Sendeleistung ist die Chance, den zu hören aber nicht so groß, Reichweite ist nur 5 km.

Gruß,
Oszillatormann

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Power-FM » Fr 7. Feb 2020, 20:19

Ich habe die Vermutung, dass wir gar nicht so sehr weit voneinender entfernt wohnen. Aber lassen wir das ;) .

Hier ist in Video der ersten Version, noch mit Doppel-Drehko:
https://www.youtube.com/watch?v=Yu4pj6l ... e=youtu.be

Und noch zwei vom letzten Stand:
https://youtu.be/wAN0M7s7BDs
https://youtu.be/UUMjcP3A1L4

Leider alles durch die Kamera etwas leise aufgenommen.
Wie man sieht ist das ganze als "Drahtigel" aufgebaut. Jetzt versuche ich das gleiche noch mal etwas ordentlicher^^.

Und wo wir gerade dabei sind:
https://www.youtube.com/watch?v=Ibm3DOpd4AE
Ein von mir gebautes UKW-Radio, ich weiß nicht, ob ich das hier schon mal gezeigt hatte.
Dazu gibt es auf dem Kanal auf Youtube auch noch mehr Videos, falls sowas Jemanden interessieren sollte ;) .

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Power-FM » Sa 22. Feb 2020, 18:51

Ich habe das ganze nun noch mal zumindest etwas ordentlicher aufgebaut.
Beim zweiten Aufbau kann ich jetzt einen Abblock-C an der Kollektrospule am Mischer einbauen ohne dass die Stufe zu schwingen anfängt.

Der Aufbau ist "vertrauenerweckender", weil jetzt alles fest verlötet ist auf Lötinseln. Also keine Wackekontakte oder lange Drähte mehr.
Aktuell empfange ich sogar zwi Piratensender aus NL über 1600kHz damit.

Für die AGC-Widerstände bin ich immer noch am experimentieren für das beste Ergebnis.

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von RalphT » So 23. Feb 2020, 14:57

Das Ganze klingt doch sehr gut. Zum Glück sind ja bei der Mittelwelle nicht so viele Schweinereien vorhanden, wie bei UKW.

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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Power-FM » So 23. Feb 2020, 19:03

Interessant finde ich ja, dass ich trotz nur einer einzigen Filterstufe in der ZF dennoch nahezu "normale" Trennschärfe wie auf echten Radios erreiche (die dort aber mit meist zwei oder drei ZF-Kreisen erreicht wird).

Es kann natürlich sein, dass das ganze anders aussehen würde, wenn es noch Mittelwellensender in der Nähe geben würde. die nächsten noch aktiven Sender befinden sich ja erst in > 400 km Entfernung...

Oszillatormann
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Re: Mittelwellen-Superhet nur aus Reichelt-Teilen

Beitrag von Oszillatormann » Di 25. Feb 2020, 15:26

So weit bin ich nicht weg. -:)

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